Interaktive Tafelbilder?
So langsam habe ich die Erkenntnisse der didacta verarbeitet. Ich bin nach dem letzten Beitrag noch eine Ergänzung in Sachen “digitaler Bildung” von der Messe schuldig. Ich habe mit dem IT-Verantwortlichen unserer Schule längere Zeit am Stand von Smarttech verbracht. Die haben uns im letzten Jahr einige Smartboards verkauft, welche jetzt einige Klassenzimmer schmücken. Damals hatte ich behauptet, wir könnten “Kopierer, Overheadfolien und Laminiergerät (…) nun weiträumig umgehen.” Meine praktische Erfahrung aus dem Unterricht zeigt allerdings, dass mein Unterrichtsmaterial eben doch noch zum großen Teil aus Büchern und Kopiervorlagen stammt. Der Weg führt also momentan nicht mehr über den Kopierer sondern über den Scanner. So ist es mir möglich, mit den Schülern direkt an der digitalen Tafel zu arbeiten. Gescannte Buchseiten oder Arbeitsblätter können damit gestochen scharf angezeigt und besprochen werden. Allerdings nutze ich dabei natürlich immer nur einen erbärmlichen Bruchteil der neuen digitalen Möglichkeiten. Hin und wieder setze ich Teile von interaktiven Lernprogrammen ein und nutze damit mehr Möglichkeiten. Es bleibt das Gefühl, dass hier noch ein großer Entwicklungsbedarf ist.
Digitale Schulbücher
Nach Auskunft unseres Beraters bei Smarttech hat seine Firma schon in den letzten Jahren immer wieder bei den Schulbuchverlagen darauf hingewiesen, dass sie interaktives Unterrichtsmaterial für digitale Tafeln entwickeln sollten. Dies entspricht genau meinem Bedürfnis. Ein einfaches Beispiel wäre mein lang gehegter Wunsch nach einer Hundertertafel, die sich per Finger/Klick mit zweifarbigen Wendeplättchen belegen lässt, wie sie in jedem Schulbuch aus dem Mathematikunterricht vorkommt. Ganz klein, einfach und passend zu jedem Mathebuch. Allerdings hat bis zu diesem Jahr kein Schulbuchverlag darin eine wirkliche Notwendigkeit gesehen. Erst jetzt kommt erstes digitales Material von den Schulbuchverlagen passend zu ihren Lehrwerken auf den Markt.
Technische Grundlagen
Ich habe mich auch an den Ständen von Cornelsen und Klett umgehört. Dort bekamen wir einige Demoversionen zu sehen. Grundsätzlich zeichnet sich ab, dass die Verlage auf Flashprogrammierung, PDF-Dateien oder PowerPoint-Präsentationen sezten, um eine Unabhängigkeit zu verschiedenen digitalen Tafeln zu gewährleisten. Den Ansatz halte ich für absolut gut. Ziemlich groß angekündigt wurden digitale Wandkarten (1, 2). Dabei handelt es sich um vektorbasierte Auszüge aus den Atlanten, die somit verlustfrei skaliert und im Detailgrad angepasst werden können. Ich nutze ja bisher mit viel Freude (der Schüler) Google Earth und sehe noch nicht den Vorteil eines digitalen Atlanten. Dennoch haben wir zum Testen mal eine Version bestellt.
Interaktive Tafelbilder
Beim Klett-Verlag haben wir eine Demo-CD mit sogenannten “interaktiven Tafelbildern” erhalten. Darüber hinaus haben wir drei DVDs mit Vollversionen für den Deutsch, Geografie und Geschichtsunterricht gekauft. Zu meiner Verwunderung enthalten sie überwiegend PowerPoint Präsentationen zu vielen kleinen Themenbereichen. Sie sind vom Layout her ansprechend und übersichtlich gestaltet und auf den wesentlichen Inhalt reduziert. Jede DVD deckt einen einigermaßen großen Themenbereich für das entsprechende Schuljahr ab. Aber das wars dann überwiegend auch schon an positiven Aspekten. Jede der ungefähr zehn von mir zufällig ausgewählten Test-Präsentation war absolut linear aufgebaut, ich habe keine Querverweise und neben bisweilen dürftigen Schaubildern kaum Multimedialität entdeckt.
Interaktivität habe ich vergebens gesucht. Eher laden die Tafelbilder zum ausführlichen Lehrervortrag ein, den wir doch eigentlich umgehen wollten. Hypertextualität oder meinetwegen Interaktivität würde durch Links und Querverweise wenigstens ein Unterrichtsgespräch ermöglichen, in dem man auf die individuellen Fragen der Schüler eingehen könnte. In dem linearen Aufbau kann man auf so manche Frage nur antworten: “Warte, die Antwort kommt später in der Präsentation.” – in der Hoffnung sie komme dann auch oder der Schüler hat die Frage bis dahin vergessen. Gefährlich: Zu jedem Tafelbild gab es auch noch die Leerfassung in A4 zum Ausdrucken, sodass die Schüler einfach nach dem Lehrervortrag das Arbeitsblatt ausfüllen können. Womit wir dann an hochmodernen Tafeln im 45 Minuten Takt didaktisch-methodisch gleich wieder um Jahre zurückgeworfen worden wären.
Neben den PowerPoint-Präsentationen konnte ich nur wenige Flash-Programme ausprobieren. Grundsätzlich gefällt mir an Flash die Unabhängigkeit von einem bestimmten Computer- oder Whiteboardsystem und die Möglichkeiten der Interaktivität und Multimedialität. Dem wurden die Anwendungen zumindest gerechter als die PowerPoint-Dateien. Leider waren die Flash-Programme nicht dokumentiert. Und obwohl sie für die 1./2. Klasse vorgesehen waren, wusste ich nicht, wo ich was bedienen sollte. Das Problem hätte sich möglicherweise nicht ergeben, wenn die Programme in der Notebook-Software des Smartboards laufen würden. Nichtsdestotrotz habe ich einige Flash-Programme zu meinem Mathe-Lehrwerk auf DVD bestellt. Vielleicht sind sie ja dort dokumentiert und meine Tests laufen dann erfolgreicher.
Was bleibt unterm Strich? Interaktive Tafelbilder werden bisher überwiegend ihrem Namen nicht gerecht. Sie decken dennoch ein großes Themengebiet ab und stellen dies klar und gut strukturiert am Beamer dar. Für alle, die technisch nicht so versiert sind, eröffnen sich so einige erste kleine Möglichkeiten an der digitalen Tafel, die dennoch zum ausgedehnten Lehrervortrag einladen. Ich würde nach aktuellem Kenntnissstand doch eher empfehlen, die Ressourcen in gute PowerPoint- oder Flash-Fortbildungen einzusetzen. Ich traue jedem zu, inhaltlich und technisch ebenso gute Präsentationen selbst zu erstellen. Die treffen dann aber gezielter den Kenntnisstand der Schüler und lassen sich methodisch besser anpassen und in den Unterricht integrieren.
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- Published:
- 16.02.09 / 10pm
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Daniel Röhe ist Schulleiter an der Bugenhagenschule. Hier finden Sie nähere Informationen im digitalen Portfolio, nehmen Kontakt auf oder suchen auf den weiteren Seiten für die Schule oder aus seinen Blogs.

